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  • AutorenbildMarie-Avril Roux SteinkĂŒhler

đŸ‡©đŸ‡Ș- Die Franzosen, Ehebruch und Moral: laut Französischem Obersten Gerichtshof „Cour de Cassation“

Die neueste Wendung in der Saga um ValĂ©rie Trierweiler, die ehemalige First Lady von Frankreich und ihr Liebhaber Patrick Devedjian: laut Französischem Obersten Gerichtshof („Cour de Cassation“) ist Ehebruch nicht mehr ein Verstoß gegen die Moral[1]. Letzteres wies die Beschwerde eingereicht durch Patrick Devedjian gegen die beiden GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Groupe Express-Roularta, Herausgeber der Zeitschrift Point de Vue wegen Verleumdung in dem Interview mit den beiden Autoren von „La Frondeuse“ („Die AufsĂ€ssige“).


Newly weds in front of the Eiffel Tower
© Mark de Jong

Der KlĂ€ger hatte argumentiert, dass die Offenbarung seiner möglichen Beziehung mit der ehemaligen First Lady, wĂ€hrend beide liiert waren, einen Angriff auf ihre Ehre oder ihren Ruf bedeutete, wie es in Artikel 29 des Gesetzes vom 29. Juli 1981 ĂŒber die Pressefreiheit[2] und Artikel 8 der EuropĂ€ischen Konvention fĂŒr Menschenrechte vorgeschrieben ist[3].


Jedoch „die Entwicklung der Sitten und Moralvorstellungen erlaubt es uns nicht mehr, zu berĂŒcksichtigen, dass die Zurechnung der ehelichen Untreue an sich, die Ehre oder den Ruf Schaden zufĂŒgen wĂŒrde“[4].


Erinnern wir uns, dass um zu entscheiden, ob ein beleidigender Angriff als  Verleumdung beurteilt werden kann, mĂŒssen vier Kriterien erfĂŒllt werden:

  • eine Behauptung oder Beschuldigung;

  • eine bestimmte Tatsache;

  • ein Angriff auf die Ehre oder den Ruf;

  • eine identifizierte Person oder Körperschaft.

Im vorliegenden Fall musste entschieden werden, ob eine BeeintrĂ€chtigung der Ehre oder des Rufes vorliegt. Das heißt, ob oder nicht, „Handlungen die einen Straftatbestand erfĂŒllen“ oder „Verhaltensweise die im Gegensatz zu den allgemein anerkannten moralischen und sozialen Werte, die zur Zeit der Rechtsprechung gelten“[5] unterstellt werden.


Das „Cour de Cassation“ bestĂ€tigte die Entscheidung in der zweiten Instanz, dass die Prozessbeteiligten daran erinnert hatte, dass Ehebruch 40 Jahre zuvor entkriminalisiert worden war. Bedeutet dies, dass – wie der Richter glaubt – Ehebruch sozial akzeptabel und nicht mehr ein Verstoß gegen die Moralsei?


Am 17. Januar 2016, veröffentlichte Le Monde einen Artikel zu diesem Thema, mit dem Titel „Nach dem französischen Hahn, der französische Hahnrei“ („AprĂšs le coq français, le cocu français“). Der Artikel basierte auf mehrere Erhebungen, einschließlich einer von der IFOP durchgefĂŒhrte, die schĂ€tzen, dass 55% der französischen MĂ€nner und 32 % der französischen Frauen bereits untreu gewesen sind.  Es erinnert auch daran, dass „wir das Land sind, in dem Untreue eine breitere Akzeptanz genießt als sonst in der Welt „; es ist moralisch akzeptabel fĂŒr 53% der französischen Bevölkerung[6]. Der Richter irrte mit Sicherheit nicht, in seiner Beurteilung der moralischen Werte des Augenblicks.


[1] Cass. 1ere ch. civ., 14-29549, 17 déc. 2015

[2] « toute allĂ©gation ou imputation d’un fait qui porte atteinte Ă  l’honneur ou Ă  la considĂ©ration de la personne ou du corps auquel le fait est imputĂ© est une diffamation. »

[3] « Toute personne a droit au respect de sa vie privée et familiale, de son domicile et de sa correspondance. »

[4] Cass. 1ere ch. civ., 14-29549, 17 déc. 2015

[5] ibid.

[6] http://www.pewresearch.org/fact-tank/2014/01/14/french-more-accepting-of-infidelity-than-people-in-other-countries/

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